El Chaltén, Fitz Roy, Cerro Torre ohne Wolken

El Chaltén: Fitz Roy und Kumpanen

Reisen

Von Bergen und Füchsen

Es kann so einfach sein in der Natur. Man beschreibt, was man sieht und schon haben Blumen, Fische oder Berge ihre Namen. So wie Cerro Chaltén, der rauchende Berg. An +/- 300 Tagen im Jahr ist sein Gipfel von Wolken umhüllt, was ihm seinen Namen einbrachte – zumindest bei den Tehuelche-Indianern, den Ureinwohnern Patagoniens. Heute ist der Gipfel besser bekannt als Fitz Roy. Er ist mit 3.405 Metern der höchste Berg der patagonischen Anden. Und eigentlich ist es völlig egal, wie der Berg nun heißt, denn der springende Punkt ist: An den meisten Tagen des Jahres sieht man ihn nicht. Oder nur teilweise. 

Soll uns recht sein, schließlich reicht es ja völlig, wenn sich Fitz Roy bei unserem Besuch nicht hinter Wolken versteckt. Dass wir ihn dann aber schon aus 170 Kilometern Entfernung auf unserem Weg von El Calafate nach El Chalten sehen, damit kann ja nun wirklich keiner rechnen. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, es ist keine Wolke zu sehen. Und wenn ich schreibe: keine. Dann meine ich: keine. Dazu ist es windstill. Bei unserer Anfahrt wiederhole ich immer und immer wieder, dass das wohl schon etwas besonderes ist. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so besonders und wir sind einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. 

Der perfekte Tag

Stunden vergehen, aus 170 Kilometern werden 70, dann 20. Am Wetter ändert sich: nichts. Bestes Wetter, bestes Panorama. Ein bisschen diesig vielleicht, denn ohne Meckern geht’s ja nicht. Für einen Besuch im nördlichen Teil des Parque Nacional Los Glaciares ist es heute schon zu spät, also machen wir außerhalb des Nationalparks Rast. Ein Mirador erscheint uns der ideale Platz für den restlichen Nachmittag und die Nacht zu sein. 

Unser Camper und wir genießen den unverbaubaren Blick auf das Bilderbuch-Panorama. Kaffee dampft in unseren Tassen. Einfach nur dasitzen und staunen, mehr braucht es nicht. Die Bühne ist angerichtet. In unseren Campingstühlen führen wir Regie. In einem Theater namens Natur. 

Die perfekte Zeit

Ein Fuchs betritt die Szenerie. Er tippelt von rechts ins Bild, schelmisch grinsend, wohlwissend, was sogleich geschieht. Er beginnt zu buddeln, lächelt immer wieder spitzbübisch in Richtung Publikum. Wir sehen nur noch seinen Rücken und den Schwanz, trockene Erde staubt nach hinten.

Und dann ist er da, des Fuchses großer Bühnenmoment mit einem Kleindarsteller in der Nebenrolle. Ein Nager ragt dem Fuchs aus dem Maul, die Hinterbeinchen und der lange Schwanz hängen noch leblos herab, ehe der Fuchs ihn mit Haut und Haar am Stück hinunterschlingt. Kurzer Szenenapplaus. Abgang Kleinnager, dann zeitverzögert Abgang Fuchs. Er dreht eine Runde um unseren Camper und nähert sich seitlich wieder an. Wir sitzen immer noch gebannt auf unseren Logenplätzen, bis der Fuchs die Bühne für heute ein letztes Mal verlässt.

Über Nacht ziehen Wolken auf, die auch an den kommenden Tagen nicht wieder verschwinden. El Chaltén hüllt sich in Wolkenrauch. Und Fitz Roy? Von dem ist auch nicht viel zu sehen.

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Hier schreibt Andrea

Am liebsten bin ich draußen unterwegs, mache einfach mein Ding und schreibe hin und wieder darüber.

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