Containerschiff im Hamburger Hafen

Camper verschiffen nach Südamerika

Reisen

Container oder RoRo?

Kaum hatten wir entschieden, dass wir das Abenteuer Südamerika in unserem Camper erleben wollen, standen so viele neue Entscheidungen und Vorbereitungen an. Der Bus musste nicht nur klar gemacht werden für die große Reise. Wir mussten auch die Reise selbst für unseren Camper klar machen. Denn zwischen Bremerhaven und Montevideo liegen mal so eben 8.000 nautische Seemeilen. Vielleicht auch ein paar mehr. Um die Strecke zurückzulegen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Das Auto kommt in einen Container. Der Container kommt auf ein Frachtschiff. Das Frachtschiff fährt samt Auto im Container von Deutschland nach Südamerika. Wahlweise Buenos Aires oder Montevideo.
  • Das Auto wird auf eine Roll-on/Roll-off-Fähre gefahren und schippert auf der Fähre übers Meer.

Da es preislich keinen allzu großen Unterschied macht, ob wir unser Auto per Roll-on/Roll-off-Fähre oder im Container auf einem Frachter nach Südamerika verschiffen, haben wir uns für einen Container entschieden. Wir haben dabei einfach ein besseres Bauchgefühl. Für die Suche nach einem Container-Buddy, mit dem wir uns die Kosten teilen können, wurde uns das Panamericana-Forum empfohlen. Letztlich haben wir dort leider niemanden gefunden, der zur gleichen Zeit verschiffen wollte wie wir. Allerdings haben die Caravan Shippers, mit denen wir verschiffen, jemanden vermittelt.

Container

Roll-on/Roll-off-Fähre (RoRo)

Icon Schiff
  • Der Camper ist sicher im Container verstaut, der Container ist verplombt und während der Überfahrt hat niemand Zugang.
  • Man zahlt für den Container und außerdem die Hafengebühren bei der Übernahme des Fahrzeugs im Zielhafen.
  • Die Hafengebühren variieren je nach Zielhafen.
  • Teilt man sich den Container mit einem Container-Buddy, halbieren sich die Kosten für die Verschiffung sowie die Hafengebühren.
  • Man übergibt Auto und Autoschlüssel an einen Hafenmitarbeiter, der das Auto auf die Fähre fährt.
  • Der Camper ist auf der Roll-on/Roll-off-Fähre jederzeit für jedermann zugänglich.
  • Man nimmt das Auto im Zielhafen wieder in Empfang.
  • Der Preis richtet sich nach der Länge des Fahrzeugs.
  • Es fallen weitere Spedition- und Hafengebühren bei Ankunft im Hafen an.

Verschiffen mit Caravan Shippers

Caravan Shippers war von Anfang an unser Favorit, da bereits der Informationsgehalt der Website am besten war. Leider haben wir nicht gleich eine Antwort per E-Mail bekommen und sind erst mal davon ausgegangen, dass unsere Anfrage nicht mehr beantwortet wird. Bis montags dann ein Anruf des Geschäftsführers kam, mit dem wir uns ausgiebig und sehr nett über unser Anliegen ausgetauscht haben.

Damit war entschieden: Caravan Shippers sollen es werden. Von Hamburg nach Montevideo im 40 Fuß Container – der für unseren Camper mit seinen lächerlichen 5,14 Metern deutlich zu groß ist. Jetzt muss also noch ein Container Buddy her, wobei uns Caravan Shippers behilflich sein wird. So einfach kann’s gehen.

Flüssigkeiten, Lebensmittel, Gas: Fragen über Fragen

Bauchschmerzen haben wir allerdings damit, dass wir den Tank unseres Diesels komplett leer fahren sollen. Bis der Motor von allein ausgeht. Das wissen selbst wir als KFZ-Laien, dass das bei einem Dieselmotor ein absolutes No-Go ist. Wir hätten einfach mal ein Pfütze im Tank gelassen, in der Hoffnung, dass es akzeptiert wird. Wenn nicht, müssten wir noch mit etwa 250 Euro für das Auspumpen rechnen.

Die Aussage, dass das Fahrzeug ganz generell keine Flüssigkeiten, Lebensmittel und Gas enthalten darf, machte mich stutzig. Denn gerade von den Flüssigkeiten gibt es in einem Auto reichlich und ich möchte sie ungern alle ablassen. Also habe ich eine genaue Definition erfragt, was alles als Flüssigkeit in einem Fahrzeug zu betrachten ist. Die Antwort von Caravan Shippers: „Als Flüssigkeit gilt alles, was aus dem Auto fallen kann, wenn man es auf den Kopf stellt.“ Bremsflüssigkeit, Motoröl, Scheiben-Wish-Wash kann also drinbleiben. Nur Wasserkanister und freie, brennbare und nicht brennbare Flüssigkeiten müssen raus. AdBlue und alles was den Zoll interessieren könnte, liegt im Ermessen der Beamten. Das können wir nur auf uns zukommen lassen.

Hamburg oder Bremerhaven

Das Gespräch brachte aber auch zu Tage, dass die Regeln, was den Kraftstoff angeht, in Bremerhaven weniger streng sind, da man hier mit Maersk und nicht mit Grimaldi verschifft. Dort dürfen wir noch ein Viertel des Kraftstoffs im Tank belassen. Außerdem sind die Verbindungen von Bremerhaven wöchentlich, anstatt nur zweiwöchentlich, was die Planung noch etwas flexibler gestaltet. Und so kam es, dass wir den Abfahrtshafen für unseren Mercedes-Camper kurzentschlossen, aber wohlüberlegt und erleichtert, von Hamburg auf Bremerhaven geändert haben.

Der Container-Buddy ließ auch nicht lange auf sich warten. Wir werden den Container mit einem Holländer teilen – viel mehr wissen wir noch nicht, aber der erste Kontakt ist schon mal hergestellt.

Auto für die Verschiffung vorbereiten

Zunächst müssen wir einmal quer durch Deutschland von München nach Bremerhaven. Bei Ankunft am Containerhafen sollte der Tank dann so leer wie möglich sein.

Im Container werden beide Batterien abgeklemmt. Es darf kein Gas im Fahrzeug sein, keine explosiven Stoffe und auch keine Lebensmittel. Dann heißt es: Klar machen zum Ablegen. Die Chancen, dass der Container mit unserem Auto sicher in Montevideo ankommt, stehen richtig gut – laut World Shipping Council sind im Jahr 2024 insgesamt 576 Container verloren gegangen. Das entspricht 0,0002 Prozent der weltweit rund 250 Millionen transportierten Container.

Erfahrungsbericht zur Camper-Verschiffung

Kaum war der Container mit unserem Camper auf der Maersk La Paz, war die Website Vessel-Finder unser bester Freund. Dort konnten wir mitverfolgen, wo das Schiff gerade herumschippert. Leider hatten wir etwas Pech, denn aufgrund eines Sturms auf dem Nordatlantik musste das Schiff ruind eine Woche vor Südengland abwettern. Dementsprechend verzögerte sich die Ankunft in Montevideo. Im Gespräch mit anderen haben wir dann schnell gemerkt, dass eine Verzögerung von einer Woche quasi nichts ist. Manche warten mehrere Wochen auf ihr Auto.

Als die Maersk La Paz dann endlich im Hafen von Montevideo angekommen war, dauerte es noch mal ein paar Tage, bis der Container endlich entladen und bereit für die Containeröffnung war. Da sitzt man wie auf Kohlen, verlängert den einen um den anderen Tag im Hotel und fiebert darauf hin, dass es endlich los geht – und mit dem Auto alles gut gegangen ist.

Wenn der Camper dann endlich aus dem Container raus ist und man erst mal auf dem Parkplatz im Hafen steht, um noch die restlichen Formalitäten zu erledigen, ist die Freude natürlich riesig. Leider gab es für uns einen kleinen Dämpfer, weil wir einen platten Reifen hatten.

Was kostet die Verschiffung nach Montevideo?

Die Frage aller Fragen: Was kostet es, den eigenen Camper nach Südamerika zu verschiffen, um dort auf Reisen zu gehen? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an.

  • Auf die Art der Verschiffung – Container oder RoRo
  • Auf die Containergröße – 20-Fuß oder 40-Fuß
  • Darauf, ob man sich den Container mit einem Containerbuddy teilt oder nicht
  • Auf die Hafengebühren im Zielhafen

Wir haben uns einen 40-Fuß-Container mit einem Container-Buddy geteilt, womit sich auch die Kosten für uns halbiert haben – sowohl für den Container selbst, als auch die Hafengebühren in Montevideo. Unser Kostenanteil lag somit bei rund 1.450 Euro für den Container von Bremerhaven nach Montevideo und bei rund 1.350 Euro Hafengebühren in Montevideo. Macht in Summe weniger als 3.000 Euro für die Camper-Verschiffung nach Südamerika. Aus unserer Sicht ein lohnenswerter Invest, wenn man einen längeren Roadtrip plant, auf der Reise autark sein möchte und sich keinen Camper mieten möchte.

Und die Rückreise nach Deutschland? Darüber machen wir uns Gedanken, wenn es soweit ist.

Digitale Kaffeekasse

Unsere aktuelle Reise führt uns quer durch Südamerika – über endlose Straßen und die Anden bis ans Meer. Wenn dir unsere Geschichten gefallen, freuen wir uns über Großes, Kleines, klein Gefaltetes oder einfach eine digitale Spende über PayPal. Das hilft uns dabei, weiter unterwegs zu sein und unsere Reisegeschichten mit dir zu teilen. Danke für deine Unterstützung!

Hier schreibt Markus

Mit Pizza kann man mich auf jeden Berg locken.

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